Tutorial: Fotografieren - Bodyscapes

Ich werde oft gefragt, wie ich meine Bodyscapes fotografiere. Nun kann ich mich hinstellen und gestenreich erklären, verstehen tut man dabei nicht sehr viel, weil ich mich wohl etwas unklar ausdrücke. Aus diesem Grund habe ich ein kleines Tutorial geschrieben, in dem ich meine Arbeitsweise auch mit Bildern erkläre.

Bevor ich jedoch auf das eigentliche Fotografieren eingehe, möchte ich zunächst ein paar Sätze für die nötige Ausrüstung opfern. Erstens bekommt man so auch hilfreiche Tipps und man weiss besser, worum es im weiteren Tutorial geht:

Beleuchtung
Der Beleuchtung kommt bei Bodyscapes die wichtigste Bedeutung zu. Schliesslich steigt und fällt die Qualität einer Körperlandschaft mit dem Licht. Dabei möchte ich hier nicht auf die verschiedenen Beleuchtungsquellen (Baulampen, Blitze) etc. eingehen, sondern eher auf die "Qualität" des Lichtes. Da wir es bei Bodyscapes fast ausschliesslich mit Aufnahmen zu tun haben, bei denen viele Übergänge von Licht zu Schatten vorkommen, sollte das Licht nicht zu hart sein. Grundsätzlich kann man sagen, dass hartes Licht harte Schattenkanten verursacht und weiches Licht eben weiche Übergänge. Welches Licht man nur bevorzugt, ist auch Geschmackssache, ich selbst bevorzuge immer nur sehr weiches Licht. Dies hat den Vorteil, dass ich weiche Übergänge bekomme und mir die beleuchteten Körperpartien nicht "ausfressen".
Weiches Licht erreicht man entweder durch Diffusoren oder durch Lichtreflektoren. Besonders ganz normale Styroporplatten leisten hier sehr gute Dienste. Sie sind billig, schnell wieder verstaut und gut zu handeln. Am besten man experimentiert zunächst etwas mit den Möglichkeiten. Auch alte Gardinen als Reflektionsfläche (auf der Styroporplatte) sind sehr gut geeignet. Besitzern von Blitzanlagen muss ich an dieser Stelle wohl nicht erzählen, wie man weiches Licht erzeugt. Durch diese Reflektionen oder das Weichmachen mit weiteren Blitzaufsätzen wird das Licht allerdings auch dunkler, weshalb ich unbedingt zum Einsatz eines Stativs rate.

Stativ
Ein unbedingtes Muss. Nicht nur wegen des schon beschriebenen Lichts, sondern auch einem gesunden Rücken zuliebe. Man wird Kamerapositionen einnehmen müssen, bei denen man leicht gebückt fotografiert und das hält niemand lange aus. Also: Kamera aufs Stativ. Zur Not tuts auch ein Einbeinstativ, was aber lästig wird, wenn man oft zwischen Lichtquelle und Kamera pendeln muss. Das Stativ sollte so gearbeitet sein, dass auch längere Belichtungszeiten möglich sind.

Hintergrund
Auch der Hintergrund ist nicht ganz unwichtig. Hier sollte man einen sehr dunklen, bis hin zu schwarz getönten Stoff nehmen. Helle Stoffe sind ungeeignet, da sie das Licht reflektieren und so Streulicht erzeugen, welches man nicht mehr in den Griff bekommt. Molton- Stoff hat sich hier sehr gut bewährt. Man sollte einen Stoffbahn von mindestens vier mal vier Metern haben, so dass man genügend Spielraum hat. Leinen ist nur bedingt geeignet, weil es sehr schnell knittert und im gewissen Maße auch spiegeln kann.

Location
Als Location kommt ein Raum in Frage, den man komplett abdunkeln kann. Fenster mit Rolläden wäre hier das Optimum. Sollte dies nicht der Fall sein, so gibt es auch Verdunkelungsstoff, der aber nicht ganz billig ist. Hier kann man aber sich sehr gut mit Teichfolie aus dem Baumarkt behelfen. Das Zeugs ist billig (einfachste Qualität reicht) und schnell am Fenster angebracht. Bevor man diese Folie einsetzt, sollte man sie aber möglichst zwei Wochen lang an der frischen Luft "ausdünsten" lassen, ansonsten stinkts beim Shooting fürchterlich nach Plastik!

Tisch
Auf dem Tisch wird später das Model liegen. Würde man dazu einfach den Fussboden verwenden, wäre es für das Model sehr unbequem und man müsste sich zum Fotografieren auch ständig auf den Bauch legen. Ausserdem bekommt man das Licht meist nicht auf Bodenhöhe und so würde das ganze eher frustieren als Spaß zu machen. Auf den Tisch sollte noch eine dünne aber flauschige Decke (selbstverständlich auch dunkler bis schwarzer Stoff), damit das Model nicht so hart liegen muss. Ein kleines Kopfkissen wäre auch angebracht. Sollte der Tisch für das Model nicht lang genug sein, so stellt man an das Fussende des Tisches einen Stuhl, das Model kann dann die Beine in Kniehöhe abknicken, so dass die Fußsohlen auf der Sitzfläche des Stuhls zum liegen kommen. Ausserdem sollte für das Model immer ein Bademantel bereitliegen.

Optik
Am besten verwendet man für Bodyscapes mittlere Brennweiten (50-75mm). Ein Weitwinkel führt dazu, dass die Körperproportionen wegen der Beugung der Optik seltsam aussehen und nicht mehr stimmen. Ausserdem müsste man dem Model zu nah "auf den Pelz" rücken und wenn da jemand nur zehn Zentimeter von der Pobacke entfernt fotografiert, so ist das nicht jedes Model Sache. Man sollte auf jeden Fall eine Gegenlichtblende benutzen, um kein Streulicht vom Blitzkopf abzubekommen. Bei Digicams führt das zu unschönen Farbverschiebungen und zu Rauschen in den schwarzen Bildteilen. Wer keine Gegenlichtblende besitzt, der sollte darauf achten, dass kein Licht aufs Objektiv fällt. Dies kann man z.B. mit einem Abschatter (dunkles Tuch etc) wirksam verhindern.


So könnte ein erster Aufbau aussehen. Den Tisch als zentrales Element, die beiden Blitzköpfe versetzt dahinter und das Stativ mit der Kamera mittig dem Tisch. Für die ersten Versuche ist dies der beste Aufbau, wenn man später etwas fitter in Bodyscapes ist, dann kann man den Aufbau natürlich nach seinen eigenen Vorlieben und Arbeitsweisen gestalten.



Für die ersten Aufnahmen sollte sich das Model flach auf den Rücken legen. Bei den ersten Tutorial-Aufnahmen ist nur der rechte Blitz aktiv. Aus diesem Grund stören auch nicht die angewinkelten Beine. Nun versetzt man die Kamera etwa in der Höhe der Hüfte nach links und richtet das rechte Blitzlicht auf den Oberkörper. Als erstes Motiv nehmen wir jetzt eine Aufnahme des Bauchbereiches. Dabei darf die Brust natürlich keinen Schatten auf den Bauch werfen. Man verstellt das Blitzlicht also so in der Höhe, dass keine Schatten auf den Bauch fallen. In wie weit man nun den Bildausschnitt wählt, hängt auch vom eigenen Geschmack ab und ist für das Tutorial auch unerheblich. Die Belichtung erfolgt dabei am besten mit Mittenbetonter- oder Spotmessung auf den Bauchbereich, der im Licht liegt. Dies bringt schon sehr gute Ergebnisse. Je nach eigenem Geschmack kann man die Belichtungszeiten natürlich noch variieren.



Das erste Bild wäre also im Kasten. Nun kann man sehr gut sehen, wie man mit Licht und Schatten einen Körper gestalten kann. Bei unserem Bild wirft z.B. der Rippenboden einen sehr schönen weichen Schatten. Auch die vorderen Schatten an der linken Körperhälfte verlaufen sehr weich und gehen nach unten langsam in Schwarz über. Der Hüftbereich ist durch den langsam abnehmenden Schatten gut gestaltet. Der nächste Schritt wäre nun, aus der bestehenden Pose weitere Motive zu komponieren. Bei den nachfolgenden Aufnahmen wurden z.b. nur der Kamerastandpunkt und die Perspektiven verändert. Die Pose und das Licht blieb gleich. In einem der nächsten Tutorials werde ich darauf eingehen, wie man durch Veränderungen der Pose bzw. des Lichts noch zahlreichere Varianten erstellen kann. Es sei denn, die Leser/innen dieses Tutorials kommen mir zuvor *g*.