Infrarotfotografie

Hier möchte ich Interessierten eine erste Hilfestellung in puncto IR-Fotografie geben. Dabei habe ich auf allen unnötigen Schnickschnack verzichtet, damit man sich nicht einen Wolf lesen muss um zu guten Ergebnissen zu kommen. Zur besseren Übersicht sind alle Schritte chronologisch geordnet, angefangen von den Grundbegriffen bis zum Auslösen der Kamera.

Grundkenntnisse
Was wird bei der IR-Fotografie eigentlich abgelichtet und wie funktioniert sowas? Wenn wir "normal" fotografieren, dann machen wir stets Bilder mit dem Licht, was unsere Augen auch wahrnehmen können, sprich: Das sichtbare Licht. Der IR-Bereich bleibt uns, wie auch der Ultraviolette Bereich, ohne technische Hilfsmittel verborgen. Aber wieso bildet eine Digicam IR-Bilder ab? Nun, das ist ganz einfach: Neben dem sichtbaren Licht können die Sensoren einer Digicam auch den infraroten Bereich abbilden. Die Hersteller installieren zwar sogenannte IR-Sperrfilter ein, was aber nur sehr halbherzig funktioniert. Diesen Umstand kann man sich für die bildliche Fotografie zu nutze machen.
Man muss lediglich das sichtbare Licht ausgrenzen und fast ausschliesslich die IR-Strahlung an den Sensor bringen. Zu diesem Zweck gibt es spezielle IR-Filter, die auf das Filtergewinde der Objektive geschraubt werden.

Was ist nun der sagenumwobene Wood-Effekt? IR-Filter bewirken, dass insbesondere das Blattgrün hellgrau bis weiss (je nach Stärke des Filters) erscheint, ein blauer Himmel wird dunkler und die Wolken plastischer. Dieser Effekt hängt im wesentlichen davon ab, wie stark der Filter und wie die Sonneneinstahlung ist.

Stativ
Fotografieren mit IR ist auch immer fotografieren mit sehr langen Verschlusszeiten, weshalb man um ein Stativ nicht herumkommt. Welches man nehmen sollte? Das ist eine gute Frage, zumindest sollte es stabil sein. Ich persönlich fotografiere mit einem Manfrotto-Stativ. Das ist zwar nicht das leichteste aber ich schleppe lieber etwas mehr an Gewicht mit mir herum als mich nachher wegen des schlechten Equipments ärgern zu müssen.


Das Lichtspektrum Das sichtbare Licht ist nur ein sehr kleiner Ausschnitt des Spektrums

IR-Filter
Die schon angesprochenen Filter sperren das Licht also vollständig aus und lassen nur die IR-Strahlung passieren. Dabei kann man wählen, ab welcher Wellenlänge ein Filter die IR-Strahlung durchlässt. Zu den bekanntesten Herstellern dieser IR-Filter zählen Hoya und Heliopan, weshalb ich mich auf diese beiden Hersteller beschränken möchte. Bei der Firma Hoya haben die Filter die Bezeichnung "R", gefolgt von einer Nummer. Diese Nummer gibt an, ab welcher Wellenlänge IR-Strahlung durchgelassen wird. Man multipliziert diese Zahl mit 10 und erhält den Wert der Wellenlänge. Ein Hoya R72 lässt demnach das Licht ab einer Wellenlänge von 720Nm (Nanometer) passieren. Heliopan gibt bei seinen Filtern gleich den korrekten Wert an: Heliopan 780 = 780Nm. Für welchen Hersteller man sich nun entscheidet, ist nicht von Belang. Der ein schwört auf Hoya, ein anderer wieder auf Heliopan. Mit zunehmenden Werten wird der IR-Effekt zwar stärker, die Bilder nehmen in ihrer "Farbigkeit" dabei aber auch ab. Ich selbst habe mich für einen Heliopan720 entschieden. Bei diesem Wert hat man schon einen sehr guten IR-Effekt und auch die Farbigkeit ist noch sehr gut. Will man den IR-Effekt verstärken, dann kann man dies ja später immer noch bei der Bildverarbeitung tun. Eine Eigenart der IR-Filter sollte man nicht verschweigen: Bei aufgesetztem Filter wirds im Sucher stockdunkel. Logisch, wir können ja nur das uns sichtbare Licht wahrnehmen, für IR-Strahlung sind unsere Augen nicht sensibilisiert. Doch dazu später mehr.


Hoya R72

Objektive
Da IR-Filter nicht unbedingt billig sind, sollte man sich vorher genau überlegen, welches Objektiv der Ausrüstung benutzt werden soll. Da ich viel mit Festbrennweiten fotografiere und deren Filtergewinde meist alle 52mm haben, habe ich mich für dies Grösse entschieden. Bei längeren Brennweiten (z.B. 85mm) kann man dann immer noch einen Adapter verwenden. Nun könnte man annehmen, das grundsätzlich jedes Objektiv für die IR-Fotografie geeignet ist. Dem ist leider nicht so. Zu den Gründen: Bei einigen Objektiven führt die Vergütung zu sog. Hotspots in der Bildmitte. Diese sind je nach Objektiv mehr oder minder stark ausgeprägt. Auch die Schärfeleistung lässt leicht etwas nach. Dies sind aber meist auch nur rein subjektive Empfindungen und stören nicht. Da die "Schärfeebene" bei IR-Licht etwas von der des sichtbaren Lichts abweicht, ist es hilfreich, wenn ein Objektiv eine sog."IR-Markierung" (meist ein roter Punkt oder ein Strich mit der Bezeichnung "IR") hat, das erleichtert die Korrektur der Schärfe ungemein.

Das ist nun erst einmal alles, was man an Ausrüstung so braucht. Nun gehts, gut bepackt nach draussen zum fotografieren.


IR-Markierung Am Beispiel eines Nikkor-Objektivs

IR-Fotografie on location
Die IR-Fotografie lebt von der Sonneneinstrahlung, je mehr davon desto besser. Bei der Auswahl des Motivs sollte man darauf achten, dass man die Sonne im Rücken hat, so ist der Wood-Effekt am stärksten. Selbstverständlich kann man auch Aufnahmen im Gegenlicht machen aber dann nimmt der Wood-Effekt schon sehr stark ab.

Der richtige Weissabgleich
Fotografiert man mit dem automatischen Weissabgleich, so erhält man rötliche bis leicht violette Bilder (je nach verwendetem Filter) auf denen der Wood-Effekt zwar schon sichtbar ist, viele Zwischentöne gehen dabei aber verloren. Aus diesem Grund ist es wichtig einen manuellen Weissabgleich mit aufgesetztem IR-Filter vorzunehmen. Es gibt einige Fotografen, die das erst später bei der Bildbearbeitung (Weisspunkt setzen) machen aber meiner Meinung nach bringt diese Methode die fehlenden Zwischentöne auch nicht mehr zurück. Ich schwöre daher auf den manuellen Weissabgleich. Also IR-Filter aufsetzen und auf eine geeignete Fläche richten. Dies kann entweder eine Graukarte sein oder aber auch eine grüne Fläche wie z.B. eine Wiese oder Gras. Wie man einen manuellen Weissabgleich durchführt ist in der Anleitung der Digicam beschrieben.

Die Motivauswahl
Hierbei sollte man darauf achten, dass man die Sonne im Rücken hat. Da man mit langen Belichtungszeiten arbeitet, werden bewegte Objekte wie z.B. fliessendes Wasser oder im Wind wiegendes Laub verwischt daragestellt, was man aber sehr gut für die Bildkomposition verwenden kann. Anfänglich sollte man diese Umstände aber erst einmal ausser acht lassen, es geht erst einmal darum Erfahrungen zu machen.

Fokusierung
Nach dem man die Kamera ans Stativ adaptiert hat, wählt man den gewünschten Ausschnitt und fokusiert das Motiv. Nun wird der IR-Filter aufgesetzt, auf manuellen Fokus gestellt und der Fokus korrigiert (siehe Objektive). Man kann auch vor dem Aufsetzen des IR-Filter korrigieren, wobei ich aber die Erfahrung gemacht habe, dass man versehntlich den Fokus wieder verstellt wenn man nicht aufpasst.

Belichtung
Hier hat wohl jeder seinen Favoriten. Ich ziehe es vor, eine Blende 8-11 vorzugeben und die Kamera errechnet die Zeit. Bei dieser Blende haben die meisten Objektive die beste Abbildungsleistung und die Zeit spielt ja, wegen des Stativs, eine eher untergeordnete Rolle. Dennoch sollte man etwas mit den Belichtungseinstellungen experimentieren, da es auch immer motivabhängig ist.

Lassen Sie sich nicht durch eher einfarbige Bilder auf dem Display täuschen, IR-Bilder werden meist erst durch die Nachbearbeitung am PC "mehrfarbig". Wie man seine IR-Bilder am PC bearbeitet, erfährt man im Tutorial Infrarotbilder unter der Rubrik Bildbearbeitung.