Melaten-Friedhof

Struktur
Der 435.000 m² große Friedhof ist rasterförmig angeordnet. Zwei Hauptwege führen von der Aachener Straße nach Norden. Diese werden von der Ost-West-Achse gekreuzt. Dazwischen liegen die Flure und Felder. Er besteht aus dem nördlich liegenden Alten Ehrenfelder Friedhof an der Weinsbergstraße, einem, der Öffentlichkeit nicht zugänglichen jüdischen Friedhof und dem eigentlichen Melaten-Friedhof.

Die älteste Friedhofsmauer mit dem ehemaligen Haupttor (Tor II) stammt aus dem Jahre 1810 und verläuft entlang der Aachener Straße. 1874 und 1887 wurden östlich und westlich vom Tor II weitere Eingänge errichtet (Tor I und Tor III) sowie 1957 der neue Haupteingang an der Piusstraße. Heute hat der Melaten-Friedhof sechs öffentliche Eingänge, davon drei an der Aachener Straße und je einen an der Piusstraße, der Weinsbergstraße und dem Melatengürtel.

Inschriften
Beim alten Haupteingang an der Aachener Straße befindet sich über dem Torbogen die Inschrift „Funeribus Agrippinensium Sacer Locus“ (Für die Leichen Kölns geheiligte Stätte). Weitere Inschriften seitlich des Tores lauten: „Ave In Beatius Aevum Seposta Seges“ (Gruß Dir, auf bessere Zukunft gesäte Saat) und „Transi Non Sine Votis Mox Noster“ (Geh nicht vorüber ohne fromme Gebete, Du, bald der Unsrige).

Geschichte
Leprosenheim
Auf dem heutigen Melatenfriedhof befand sich ein „campus leprosi“ genanntes Leprosenheim, das ab 1180 dokumentiert ist. Aus urkundlichen Erwähnungen verschiedener nordwesteuropäischer Städte wird jedoch deutlich, dass das Leprosenheim früher entstand. Außer diesem gab es drei weitere Siechenhäuser in Köln. Eines befand sich südlich des Bayenturms, ein weiteres am Judenbüchel, das dritte nahe dem Eigelsteintor und nach 1646 in Riehl. Wie es damals üblich war, wurden die Leprosenanstalten an belebten Ausfallstraßen und an Flussläufen vor den Stadtmauern erbaut.

Auf dem Grundstück befanden sich die Unterkünfte für die Patienten und für die Mägde und Knechte, eine Kapelle, die 1245 vom Kölner Erzbischof eingeweiht wurde, ein Wirtshaus (Offermannhaus genannt) und ein kleiner Friedhof für die verstorbenen Patienten. Durch Spenden von Kölner Bürgern, Stiftungen und Testamente wurde die Leproserie sehr wohlhabend und verfügte über mehrere Ländereien und Häuser in Köln und Umgebung, so auch über den benachbarten Hof Malaten, im Volksmund auch „Rabenstein“ genannt.

Die Leprosenanstalt nahm im Gegensatz zu anderen Anstalten auch auswärtige an Lepra erkrankte auf. Um die 16 bis 24 Leprakranke wurden dort untergebracht. Den Patienten wurde untersagt das Gelände zu verlassen. Eine Ausnahme bildeten die Feiertage, an denen sie in Begleitung eines Schellenknecht in die Stadt gehen und um Almosen bitten durften. Die Patienten wurden angehalten eine auffällige Kleidung, bestehend aus einer Kniehose, einer Joppe, einem Siechenmantel, einem großen Hut und weißen Handschuhen, anzuziehen und mit einer Klapper in der Hand die Kölner Bürger auf sich aufmerksam zu machen.

Durch gefälschte Siechenbriefe, mit denen Angestellte der Leprosie sich ein Zubrot verdienten, bot das Heim einigen Unterschlupf, die nicht an Lepra erkrankt waren.

Als die Lepra in Europa weitgehend besiegt war, schloss das Asyl im Jahre 1767. Die Einkünfte wurden schon 1766 zur Errichtung eines Zucht- und Arbeitshauses in der Wahlengasse, später umbenannt in Waisenhausgasse, verwendet, das 1801 von Waisenkindern bezogen wurde.

Eine aufgestellte Statue eines Schellenknechtes an der Aachener Straße erinnert heute noch an diese Zeit. Ursprünglich stand die Skulptur in einer Mauernische des Hofes zu Melaten, wurde danach in das Stadtmuseum gebracht und 1989 wieder im Eingangsbereich zur der alten Friedhofskapelle aufgestellt.

Melaten als Hinrichtungsstätte
Im Mittelalter war der Hof Melaten auch eine der öffentlichen Hinrichtungsstätten der Stadt Köln. Die Verurteilten wurden auf einem sogenannten „Armsünderkarren“, der von der Leprosenanstalt gestellt wurde, von dem bischöflichen Gefängnis (Hacht) am Kölner Dom nach Melaten gebracht. Der Weg führte die Verurteilten über die Breite Straße, anschließend über die Ehrenstraße durch das ehemalige Ehrentor und zuletzt über den ehemaligen Melatener Weg zum Friedhof.

Am 28. September 1529 wurden hier zwei Protestanten, Peter Fliesteden und Adolf Clarenbach, wegen ihres Glaubens an Luthers Lehren verbrannt. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurden im Wahn der Hexenverfolgungen über 30 Frauen und Mädchen umgebracht, bekanntestes Opfer war Katharina Henot. Am 13. Juli 1797 fand die letzte Hinrichtung auf Melaten statt, als der Kirchenräuber Peter Eick vor einer großen Menschenmenge erhängt wurde.

Zum Gedenken an Adolf Clarenbach und Peter Fliesteden wurde am 27. März 1979 ein Gedenkstein in der Nähe des Haupteinganges an der Piusstraße eingerichtet.

Melaten unter französischer Besatzung
Mit der französischen Besatzung 1794 änderte sich das Begräbniswesen. Am 12. Juni 1804 erließ Napoleon das Kaiserliche Dekret über die Begräbnisse („Décret sur les sépultures“), welches die Beerdigung in Städten, Dörfern und geschlossenen Gebäuden aus pragmatischen, vor allem hygienischer Erwägungen verbot.

Entstehung des Melatenfriedhofes
Die Stadtverwaltung kaufte deshalb ein Grundstück auf dem Gelände des ehemaligen Leprosenasyls und ließ die meisten Gebäude abreißen. Die Kapelle des Leprosenheimes wurde in den Friedhof integriert. Mit der Gestaltung des Friedhofes wurde Ferdinand Franz Wallraf beauftragt, der sich den Pariser Friedhof Père Lachaise zum Vorbild nahm. Seine Pläne beschrieb er in der 1809 erschienenen Schrift „Über den neuen stadtkölnischen Kirchhof zu Melaten“. Von Anfang an war der Friedhof auch als Erholungsstätte und als öffentliche Grünanlage geplant. Am 29. Juni 1810 wurde der Melatenfriedhof durch den Dompfarrer Michael Joseph DuMont eingeweiht und die Friedhöfe innerhalb der Stadt geschlossen.

Offiziell wurde der Friedhof als „Gottesacker der Stadt Köln“ bezeichnet, allerdings durften bis 1829 nur Katholiken dort bestattet werden. Die Protestanten wurden weiter auf dem alten Geusenfriedhof im Weyertal begraben. Die jüdischen Mitbürger wurden bis zur Anlage des jüdischen Friedhofs 1903 im rechtsrheinischen Deutz bestattet.

Trotz mehrerer Erweiterungen war das Platzangebot mit der Zeit ausgeschöpft. Zur Entlastung von Melaten wurde 1896 der Nordfriedhof, 1901 der Südfriedhof und 1917 der Westfriedhof eröffnet.

Melaten und die Kriege
Melaten wurde im Laufe der Geschichte mehrfach zerstört. Die durch Wallraf (1809) und Vincenz Statz (1850) instandgesetzte ehemalige Kapelle des Leprosenheimes wurde 1942 vernichtet und 1952 vereinfacht wiederhergestellt. Am 30. und am 31. Oktober 1944 richteten Bomben die schlimmsten Verwüstungen an. Das imposante Grabmal für Wallraf und Johann Heinrich Richartz ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Heute erinnert nur noch ein schlichter Grabstein an sie.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bot der Friedhof Unterschlupf für Ausgebombten, die in den Grüften vorübergehend wohnten.

Der Melatenfriedhof heute
Der im Jahre 1980 unter Denkmalschutz gestellte Melatenfriedhof ist heute ein interessantes Ausflugsziel, vor allem wegen der vielen hier bestatteten Prominenten, den interessanten Grabmälern und des parkähnlichen Charakters der Anlage, das eine ökologische Nische mitten in einer Großstadt bildet.

Die Bezeichnungen der Felder, Flure und Wege sind für manche Besucher verwirrend, da sie in ihrer Systematik nicht konsequent eingehalten wurden und die Feldsteine oftmals schwer zu entziffern sind.

Mehrmals jährlich werden an Wochenenden Führungen durch den Friedhof angeboten. In der Nacht oder den späten Abendstunden können Tierfreunde unter Leitung die Tierwelt auf Melaten erkunden. Für ältere Mitbürger gibt es einen kostenlosen Fahrservice, der sie bis zu den Gräbern bzw. so nah wie möglich heranfährt.

Der Friedhof beherbergt einige Größen des Kölner Karnevals (z.B. Willi Ostermann. Deshalb wird während der „fünften Jahreszeit“ (dem Kölner Karneval) eine Führung zu bekannten Karnevalistengräbern angeboten und Geschichten und Anektoden über die Verstorbenen erzählt).

Kostenlose Führungen durch den Friedhof werden unter anderem von der Stadt Köln (die Termine können dem Veranstaltungskalender entnommen werden) angeboten. Weiterhin spezialisiert sich der Verein „NABU Köln“ auf naturkundliche Melaten-Führungen auch außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten.

Flora
Während zu Anfang der Friedhof nur spärlich bepflanzt war. wurde dies ab 1826 durch den Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe geändert, jedoch wurde aus Kostengründen sein Bepflanzungsplan nur teilweise umgesetzt. Die Hauptwege und die Ost-Westachse für die teuersten Gräber wurden mit hohen, lichten Alleen aus Platanen (antike Todesbäume oder Trauerbäume) und die Seitenwege mit mittelhohen Linden und Rosenstöcken bepflanzt. Später kamen im Zuge der Erweiterungen und in den einfachen Grabstätten unter anderem Lebensbäume, Ahorne, Birken, Trauerulmen, japanische Zierkirschen und Trompetenbäume dazu. Einige Fluren sind von Hecken umrahmt.

Fauna
Über 40 Vogelarten leben und brüten auf dem Melatenfriedhof. An eingerichteten Futterstellen und an den Wasserstellen kann man Grünfinke, Blaumeisen, Spechte, Amseln, Stare oder Dohlen, Rotkehlchen und Dompfaffe beobachten. Auch Halsband- und Alexandersittiche, deren Vorfahren vermutlich aus Zoohandlungen oder aus dem Zoo entflohen sind, haben sich (wie in vielen Kölner Grünanlagen) an die herrschenden Bedingungen angepasst. Fledermäuse, Eichhörnchen, Füchse und verwilderte Katzen runden das Tierspektrum ab.

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Melaten

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